Texte und Gedichte

                    die das Herz bewegen.

 

 

 

 

Übersicht:

 

Wenn Gegensätze verschmelzen

Felskante

Wahres Ich

Zur Musik

Absprung

Elefantengrau

Der Fluss des Lebens

Der Sperber

Neues

Wer bin ich?

 

 

 

Wenn 

Gegen-

sätze 

verschmelzen

 

Wenn Gegensätze verschmelzen

 

Ich fühlte Hass auf die Freude der anderen.

Empfand Abwehr, wenn es anderen besser ging als mir.

 

Ich verstand nicht nur,

dass alles so kommt wie es kommen soll,

sondern fühlte es auch.

 

Der Schmerz sollte so sein.

Meine Seele war in Frieden damit.

 

Und während ich Schmerz empfand

wurde ich begleitet.

Von Engeln.

Von liebevollen Wesenheiten.

 

Ich habe alles gespürt:

In Liebe zu sein mit der Freude.

Und im Hass damit.

 

In Krieg zu sein mit dem Krieg.

Und in Frieden damit.

 

Alles verschmilzt.

 

Alles ist eins.

 

Alles ist Liebe.

 

Und eine unendliche Gelassenheit breitet sich in mir aus.

 

 

Ich spüre ganz tief in mir drin: Alles ist ok, wie es ist. Wirklich alles!

Was für eine innere Haltung!

 

Und falls ich das alles noch einmal  vergessen sollte,

so wird meine Seele mich erinnern.

Denn sie weiß.

Sie weiß, dass alles so richtig ist, wie es ist.

Dass ich getragen und begleitet bin, was immer mir geschieht.

 

Dass ich mein Leben gestalte.

Über Tage, Jahre, verschiedene Leben hinweg.

Ursache und Wirkung über Zeit und Raum verteilt.

 

Ich war gut. 

Ich war böse.

Ich war Frieden.

Ich war Krieg.

 

Und ich spüre und erkenne: 

Wenn ich ( äusseren ) Kampf ablehne,

lehne ich auch gleichzeitig mich selbst ab.

Denn ich kämpfe innerlich noch.

 

Indem ich meine eigenen Kämpfe immer mehr umarme,

sie bereinige und beende, 

komme ich in Frieden. 

Mit mir und mit der Welt.

Und auch die Welt kommt in Frieden.

 

Gegensätze verschmelzen.

 

Und es bleibt: 

Die Liebe. Die wahre Liebe. Und alles ist so klar in diesem Moment.

So voller Wärme. Voller Wissen. Weisheit.

 

Liebe...nicht die, für die ich sie gehalten habe:

Fordernd, Wenn-Dann-Liebe.

Das ist unechte Liebe.

 

Die wahre Liebe ist bedingungslos. 

 

Und über sie sind wir alle verbunden.

 

Sie bleibt verborgen.

Bis wir sie fühlen und uns erinnern.

Im Herzen. Nicht im Verstand.


 

Felskante

 

Felskante

 

Angst vor Veränderung.

So unendlich tief in mir verwurzelt.

Oder denke ich das nur noch?

 

Ich setze diese spezielle Angst mal wieder an einen Tisch. 

Auf eine Holzbank. Mein altbewährtes Mittel.

Einfach mal da sein lassen. Ihr etwas Raum geben.

Es hat ja seinen Grund, warum sie da ist.

 

Ich habe also Angst vor Veränderung. 

Daher verändere, lenke und leite ich doch lieber alles selbst bevor ich mich dem Fluss des Lebens hinbegebe. 

Dann habe ich es selbst in der Hand. Unter Kontrolle.

 

Aha. Kontrolle. Und die Angst vor Kontrollverlust.

Na, das ist ja auch nicht neu für mich.

Es fällt mir schwer mich einfach fallen zu lassen.

Einfach zu fließen. 

Zu sein wie ich bin - ohne eine dieser vielen Masken, die ich habe.

Oder Rollen, die ich spiele.

 

Mich hinzugeben an den Moment. Mit all meinen Gefühlen. 

Und das sind inzwischen so unendlich viele. Ein großer, bunter Strauss.

Ein ganzer Vulkan ist da an Gefühlen, die nun aber nicht mehr nur im stillen Kämmerlein gefühlt werden wollen, 

sondern immer. Egal wo ich bin. Egal in welcher Situation. Egal, wer dabei ist. Sie wollen raus! 

Mich hingeben. An mich. Mein Sein. Mein Innerstes. Meine Wahrheit nach Aussen tragen.

 

Hingabe, ein Wort welches ich nur recht selten benutze. 

Kommt nicht so oft vor in meinem Leben. Noch nicht. 

Bisher nur im Stillen oder bei ein, zwei Personen, bei denen ich mich völlig sicher fühle. 

Es braucht Mut dazu. Mich mit allem-was-ich-bin zu zeigen. Mut. Ja, den habe ich. Das weiß ich inzwischen.

 

Heute versuche ich mal etwas Neues:

 

Mache eine Reise in die Berge. Fjordnorwegen. 

Türkisfarbenes Wasser. Steile Felswände. Herrlich.

Ich robbe immer näher an die Felskante heran. 

Leben fliesst durch meinen Körper. Ich fühle mich so lebendig.

Angst ist da, aber auch der Wunsch einfach über diese Kante zu blicken.

Traue ich mich?

 

Ich stelle mich hin. Recht nah an eine Felskante.

Meine Beine zittern, mein Körper will nicht weiter. Und will es doch!

Meinen Blick richte ich in die Ferne.

Das ist nicht ganz so beängstigend.

 

Die Tiefe direkt vor mir.

Ich gehe einige Schritte rückwärts.

Weg von der Kante.

Dann laufe ich los. 

 

Stop!

Geht nicht.

Wieder einige Schritte zurück.

Puh, ist das tief.

 

Luft holen, atmen, mutig sein. Los!

Und dann renne ich erneut los. Die Kante ist da.

Mein Herz poltert. Es schlägt fast aus mir heraus.

Ich schreie....

....und springe. 

 

Ich breite meine Arme aus….und werde getragen. 

Vom Leben, von der Luft, von mir selbst.

Ich trage mich. Mit meinen Flügeln.

 

Der Schrei wird zu einem Jubeln.

Angst- und Paniktränen werden zu Freudentränen.

Mein vor Angst versteinertes Gesicht verändert sich.

Es wird weicher, freier, lebendiger. Ich lächle.

 

Zurück zu Tisch und Holzbank:

Ich schaue mir jetzt meine Angst vor Veränderung genauer an.

Da ist gar nichts drum herum.

Nichts und niemand da.

Komisch.

 

Dann entdecke ich eine Vielzahl an verschiedenen Masken um mich herum.

Ah. Ok. Darum geht es also.

Zu sein wer ich wirklich bin. Ohne Maske. Ohne eine Rolle.

Angst vor Veränderung ist die Angst vor meiner Veränderung.

Mich unverblümt zu zeigen. Das macht mir noch Angst.

Denn wie reagieren wohl die anderen darauf?

Wo ich doch mein Leben lang davon abhängig war, dass andere mich lieben.

Weil ich es ja selbst nicht konnte.

 

Und dann lasse ich mich einfach von meiner Bank nach hinten fallen…

...und werde aufgefangen. Vom Leben. Einfach so.


 

Wahres  Ich

Wahres Ich

Ich sitze auf einer Holzbank am Rande einer grünen, weiten Wiese.

Die Sonne scheint. Es ist angenehm warm heute.

Die Gewitter der letzten Tage sind vorbei gezogen.

 

In der Ferne sehe ich eine Gestalt, die langsam auf mich zukommt.

Sie schreitet mit ausgebreiteten Armen durch das hohe Gras und streicht

mit ihren Händen sanft über die langen Grashalme.

 

Als sie näher kommt wirkt sie auf einmal etwas sonderbar.

Irgendwie gestaltlos.

So wie man sich einen lieben Geist vorstellt.

Sie strahlt eine unendlich grosse Sanftheit aus.

 

Zwischendurch wird sie in meinen Gedanken von einer Art schwarzem Vorhang verdeckt.

„Angst“, denke ich. „Das ist Angst.“

Ich bitte die Angst in Gestalt des dunklen Vorhangs zur Seite zu treten.

Plötzlich löst sich der Vorhang auf.

 

Alles wieder sehr mystisch heute.

 


Übrig bleibt dieses strahlende Wesen.

„Das ist pure, reine Energie“, denke ich.

Und nun steht diese Geist-Gestalt vor mir.

Sie stellt sich mir als „mein wahres Ich“ vor.

 

Ich lächle und lade das Wesen ein sich zu mir zu setzen.

Ich zeige auf den freien Platz neben mir.

Sie schmunzelt und zeigt auf mich.

 

Ich setze mich und nehme die Gestalt auf meinen Schoss.

Sie ist so leicht wie eine Feder.

Ich spüre sie nur hauchzart.

Eine wundervolle Wärme durchströmt mich.

 

Und einen Augenblick später fliesst sie in mich ein.

Ich nehme diese Energie vollkommen auf.

 

Mein wahres Ich füllt mich nun vollständig aus.

Ich spüre meinen Körper gar nicht mehr.

Bin gar kein Körper mehr.

Keine Beine, keine Knochen, nichts.

Da ist nur noch diese wabernde Energie.


Und ich strahle.

Nicht nur mit den Augen und mit einem Lächeln im Gesicht.

Nein, ich strahle voll und ganz.

Irgendwie golden. Wie eine Lichtgestalt.

 

Um mich herum spüre ich eine leichte Enge.

Es wird etwas dunkler.

Es ist die Angst. Die Angst der Menschheit.

Die Angst dem Leben völlig zu vertrauen.

Sich selber zu vertrauen.

Ich steige aus diesem Bewusstseinsfeld aus und bilde mir mein eigenes Feld.

 

Ich nenne es „Wahres Ich“ und lade alle Menschen ein, diesem Energiefeld beizutreten. 

 

Ich öffne meine Augen und sitze mal wieder auf meinem Sofa.

Es ist doch sehr einsam um mich herum.

Da sind kaum noch Menschen.

Aber ich spüre wie mich das Leben ruft.

Noch etwas Geduld.

Schritt für Schritt zurück ins Leben.


Mit einem neuen Bewusstsein.

 

Zur Musik

Zur Musik

Leise Cellotöne. 

Stille.

Die Stille ist erwartungsvoll. Sie wartet auf den nächsten zauberhaften Ton.

Erste Streicher setzen ein. Erneute Pause zum Nachspüren der Töne.

 

Ich schliesse meine Augen und bin sofort im einer ganz anderen Welt.

Mein Herz öffnet sich. Ist ganz weich und weit.

Bei den ersten leisen Harfentönen überzieht eine Gänsehaut meinen ganzen Körper.

 

Und mit dem Einsatz des Sängers strahle ich über das ganze Gesicht.

Es breitet sich wieder dieses fantastische, überglückliche Lächeln aus, welches meine Augen zum Strahlen bringt, 

obwohl sie geschlossen sind.

 

Ich tauche mit einem sanften Trommelwirbel in eine Art Dschungelwelt ein.

Könnte auch das Paradies sein, denn es herrscht ein solch intensiver Frieden.


 Aus der Wand schräg hinter mir sprudelt ein Wasserfall hervor und stürzt rauschend in die Tiefe.

Beim nächsten Gitarrenton rollt jemand Rasen aus und ich höre lachende Kinderstimmen.

Elfen fliegen durch die Luft in einer Art Wirbelsturm aus Liebe.


Eine erste Freudenträne verlässt meine lachenden Augen.

Was für ein wundervolles Schauspiel.

Das Lied darf einfach niemals zu Ende sein.

 

Plötzlich ändert sich die Szene und die Musiker erscheinen in meinem Wohnzimmer. 

Das ganze Orchester ist zum Greifen nah.

Ich staune und die Musiker nicken mir wissend zu.

Dabei sind sie doch in Wirklichkeit auf youtube in meinem Fernseher.

Eine grüne, saftige Wiese breitet sich unter den Musikern aus.


Und die Elfen wecken bei den nächsten Harfentönen mit einem Sprung von Blume zu Blume die geschlossenen, 

schlafenden Blüten.

Bunte, wunderschöne Blumen sind nun in meinem Zimmer verteilt.

 

Neben mir liegt meine Hündin und schläft. Sie bekommt von alldem nichts mit.

Ist völlig entspannt. Jetzt zuckt leicht eine Pfote, dann noch eine.

Ob sie wohl in diesem Moment über die Wiese rennt und Schmetterlinge jagt?

 

Dieses Wunderlied kommt langsam zum Ende. Letzte leise Töne setzen ein.

Töne die mich so unendlich tief berühren.

 Ich öffne ganz langsam und bewusst meine Augen und ein Schatten dieser Szenen ist noch da.

 

Ich halte eine Musiknote in meinen Händen und gebe sie als Erinnerung in mein Herz. 

Ich bin völlig überwältigt, denn diese ganze Szene breitet sich für einen kurzen Moment in meinem Herzen aus.

 

Zauberhaft.

Eine tiefe Dankbarkeit erfüllt mein gesamtes Sein:

 

Dass ich das erleben darf!

Absprung

Absprung

Gefühle. Eingesperrt. Hinter dicken Gitterstäben. 

Ich fühle mich schon seit Wochen in mir selber gefangen.

 

Habe die Wölfin in mir eingesperrt. Diese Naturgewalt.

Sie kann sich nicht frei bewegen.

Hat keinen Handlungsspielraum.

Fühlt sich fremdbestimmt.

Unterdrückt! Wie lange habe ich sie unterdrückt?

Diese kraftvolle Wölfin. 

 

Körperlich scheint sie jedoch unversehrt zu sein.

Traurig zeigt sie sich.

Seit Monaten fast täglich.

Diese Verzweiflung in mir.

Das war auch die Wölfin mit ihren Ur-Instinkten.

 

Tiefe Gefühle vergraben.

Unter der Erde.

Tot. 

 

Und jetzt ist da ein Bewegungsdrang in mir.

Ein Entdeckungsdrang. Abenteuerlust.

Die Wölfin will raus.

Ist schon auf dem Sprung. 


Ich werde körperlich kräftiger.

Die Wölfin zeigt sich immer mehr.

Wald, Bäche, plätscherndes Wasser.

Ich fühle mich gut. Fange an zu laufen und zu springen.

 

Kaum zu Hause überfallen mich Tränen.

Gedankenkreisel. Negativität.

Ich fühle mich eingesperrt. Bin verzweifelt.

Was ist das nur?

Eben ging es mir doch so gut.

 

Und jetzt bemerke ich:

Es ist die Wölfin, die ich einsperre. 

Abgetrennt von ihrer wahren Natur.

 

Ich mache Musik an. Laut. Dann knie ich mich auf alle Viere.

Und ich fange an wie ein Wolf zu heulen. 

Erst sehr zaghaft, dann etwas lauter.

Kann ich leider nicht richtig ausleben in dieser begrenzten Welt.

Wäre zu laut wenn ich richtig losjaulen würde. 

Was würden die Nachbarn denken?!

 

Aber es will raus. Die Wölfin will frei sein.

Kehlige Töne und eine Menge Tränen verlassen meinen Körper.
 

Ich verbinde mich mit der Energie der Sonne und mit Mutter Erde.

Die Gitterstäbe aus Eisen schmelzen und eine zähe Flüssigkeit verlässt meinen Körper.

Und dann habe ich ganz plötzlich das Gefühl, dass ich so weit bin.

 

Ich lasse die Wölfin frei.

Plötzlich sitzt sie vor mir.

Und nun?!


Wir sind beide etwas unsicher. Was geschieht hier?

Schauen uns etwas ängstlich und überrascht an.


Und dann öffne ich die Balkontür.

Und ich lasse sie frei.

 

Sie läuft mit dem Wind.

Sie ist so schnell. So kraftvoll!

Wundervoll!

 

Ich lächle und fliege neben ihr her.

Über Felder, Wiesen, durch den Wald.

Wir springen über Gräben und laufen durchs Wasser.

 

Ein Adler blickt zu uns herab und kreischt.

Und es ist ein Wort, welches ich in diesem Kreischen erkenne:

Endlich!


 

Elefantengrau

Hell und dunkel. Laut und leise. Licht und Schatten. Gegensätzliche Pole, Polarität.

Wenn ich schwarz und weiß mische, bildet sich grau. Elefantengrau. Dickhäutergrau. 

Und ein Elefant steht für Kraft UND Instinkt. Er vereint beide Gegensätze in sich. Das Kräftige UND das Weiche.

Ich weiss heute mal wieder so gar nicht, was ich will. Ruhe oder Aktivität?! Was tut mir jetzt gerade gut?                                           Wenn ich mich aufs Sofa lege habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich nichts für meine Fitness tue. Seufz.

"Was will ich"...diese Frage läuft mir häufiger über den Weg. Warum kann ich mich eigentlich so schlecht entscheiden?               Und weiss einfach nicht, was ich will. Hm. Vielleicht weil ich mich das viel zu selten frage??   

Welches Bedürfnis steht eigentlich genau hinter den jeweiligen Gegensätzen? 

Heute schaue ich mal genauer hin. Ich möchte diesen so unterschiedlichen Wünschen gleichzeitig Raum geben.                           Aber wie bringe ich die unter einen Hut? Hm...

Ah. Ich habe eine Idee. Ich packe meinen Rucksack: eine Decke, etwas zu Essen und zu Trinken und meine Kamera.                       Bin für alles gewappnet. Gut. Dann mal los.

Ich mache mich auf in Richtung Wald. Natur ist immer gut für mich. Vogelgezwitscher überall. Ein Eichhörnchen huscht über den Weg. Ich laufe mit offenen Augen durch die Gegend. Überall raschelt es. Frühling. Die Natur beginnt erneut zu erblühen. Leben.

Ich gehe eine Zeit lang und lasse die ersten Bänke links liegen. Brauche jetzt gerade noch etwas Bewegung. Gehe recht zügig. Prima. Mag mein Körper in diesem Moment. Er fühlt sich so lebendig an. Hätte ich vorher gar nicht so gedacht. Ich war doch so müde als ich losgegangen bin.

Ich laufe jetzt auf einem Trampelpfad. Ich liebe es, wenn die Wege schmal sind und ich nicht sofort den ganzen Weg überblicken kann. Hinter jeder Ecke wartet etwas anders auf mich. Der Weg führt mich am Ende zu dieser grossen Wiese, die ich so mag.

Die Sonne scheint und ich suche mir ein schattiges Plätzchen am Rande der Wiese. Breite meine Decke aus und lege mich darauf. Pause. Etwas essen und trinken. Ein bisschen schauen. Aktivität UND Ruhe. Ich muss mich gar nicht entscheiden. Zumindest heute nicht. Ich wähle einfach beides. Wow! Ein tolles Gefühl. Alles vereint unter einem Hut. Cool!

Ich bleibe noch eine ganze Weile auf meiner Decke liegen. Zwei Wanderer kommen vorbei und einer sagt zu mir: "Sie machen das richtig. Geniessen." 

"Ja", sage ich. "Das können Sie doch auch". Er schaut mich etwas überrascht an. Hört mir aber gar nicht richtig zu und läuft schon weiter. Seinem Wandererfreund hinterher. Der steht schon hinter der nächsten Ecke und ruft: "Wo bleibst du denn?"         Ich grinse. Kenne ich auch. Dieses Hinterher-Rennen.     

Nach einiger Zeit stehe ich auf und packe meine Sachen wieder zusammen. Habe inzwischen einige tolle Fotos gemacht.     Eichelhäher, Eichhörnchen und Co. Ich gehe zurück zum Auto. Steige ein, öffne alle Fenster und lasse Licht und Luft hinein.         Es duftet so gut nach Frühling. An der Tankstelle kaufe ich mir noch ein Eis.

Ich komme zu Hause an. Bin angenehm müde. Setze mich aufs Sofa und sinniere noch etwas. Bin noch ganz überrascht von dieser tollen Erfahrung, die ich gerade gemacht habe: 

Heute habe ich also diese Polarität überwunden. Eine Elefantengrau-Entscheidung. Und es fühlte sich wundervoll an.                   Ich hatte alles, was ich vorher wollte. Juchu!

Und ich erinnere mich an das schwarze Lämmchen Santi. Ein schwieriger Start ins Leben mit Fehlbildungen in der Hüfte. Missgebildet UND lebensfroh. Alles ist da. Schatten und Licht. Sorge und Freude. Santi ist für mich ein Vorbild für die Annahme des Lebens. So wie es ist. 

Und er hat mich dazu inspiriert über all das hier nachzudenken. Polarität. Und wie man sie überwinden kann. 

Aus einem „entweder-oder“ ein „sowohl-als-auch“ zu machen.

Elefantengrau! 

 

 

 

 

 

 

Der Fluss des Lebens

Der Fluss des Lebens

 

Ich wache auf und finde mich in einem Boot wieder. Das Boot schwimmt führerlos in einem Fluss.

Ohne Ruder, ohne Segel. Ich bin allein.

 

Ich beobachte den Fluss und die Umgebung. Sehe einen Baum am Ufer. Umgestürzt, halb im Wasser liegend.

Ich versuche mich an einem Ast festzuhalten. Schaffe es kurz. Doch die Strömung ist zu stark. Der Ast zu schwach.  

Er bricht. Ich habe einen Teil des Astes in der Hand. Will ihn wegwerfen. Was soll ich noch damit?

Ein Gedanke: ich werde das Boot etwas besser lenken können. Mit seiner Hilfe.

 

Ich nehme den Ast. Nutze ihn als Ruder. Kann das Boot nun etwas steuern. Immerhin. 

Bin nicht mehr völlig diesem Fluss ausgeliefert.

 

Der Fluss wird schmaler. Die Strömung schneller. Ich kentere fast. Puh…. gerade noch geschafft.

 

Die Sonne kommt hinter den Wolken hervor. Der Wasserstand nimmt ab. Ruhigeres Fahrwasser.

Ich überlege, kurz Rast zu machen. Etwas essen und trinken. Die Umgebung bestaunen. 

Ein wenig ausruhen und mich sammeln.

 

Nach kurzer Zeit suche ich mir einen zweiten Ast und fahre weiter. Nun bin ich dem Fluss schon viel weniger ausgeliefert.

Kann viel besser navigieren mit meinen zwei Paddeln.

 

Eine dunkle Regenwolke. Wolkenbruch über mir. Ich bin völlig ungeschützt. Bekomme Angst weil der Pegel steigt.

Stromschnellen. Gefahr durch rumliegende Felsbrocken. Ein kleiner Wasserfall.

Ich nehme die Ruder an Bord und lasse mich einfach treiben. Habe Angst, dass meine Paddel an den Steinen zerschellen.

 

Nach einigen Kilometern scheint wieder die Sonne. Der Fluss wird breiter. Ruhe kehrt ein.

 

Erst jetzt habe ich Zeit und Muße mich zu fragen, wo ich eigentlich hin will.

 

Wo ist mein Ziel? Was will ich? Wieso steige ich nicht einfach aus?

Ich will doch leben und glücklich sein. Wo finde ich dieses Glück?

 

Vielleicht schon hinter der nächsten Kurve. Ich bleibe noch etwas sitzen. Beobachte die Umgebung. Schön hier.

Ich glaube, ich steige einfach mal aus.

Ich lasse mich ans Ufer treiben. Geht ganz leicht hier. Die Ruder helfen mir.

 

Ich überlege noch einen Moment und steige dann aus. Stehe im Fluss, welcher sich Leben nennt.

Lasse das Leben an mir vorbeiziehen. Stehe hier vollkommen sicher. Werde mir bewusst, was ich will.

 

Ich will nicht hinter der nächsten Ecke ankommen.

Ich will bei mir ankommen.

Ich schreite langsam und bewusst ans Ufer. Nehme das Boot und werde es an Land ziehen.

 

Ein paar Steine schmerzen unter meinen nackten Füssen. Muss noch einen kleinen Umweg gehen.

Um einige Felsbrocken herum. Das Wasser wird flacher. Und wärmer.

 

Ich stelle einen Fuss auf das grüne Ufer. Fühlt sich gut an.

Plötzlich. Eine Welle von hinten. Ich taumele. Fange mich. Setze einen letzten, bewussten Schritt ans Ufer.

 

Ich bin da. Bei mir. Da, wo ich schon immer sein wollte. Zuhause. Ich ziehe das Boot an Land. Setze mich hin.

 

Bewundere diese wunderschöne Landschaft. Sie war schon immer da. Aber ich konnte sie nicht sehen.

Zu sehr hat der Fluss des Lebens mich in seinen Bann gezogen.

 

Ich lege mich ins frische Gras. Beobachte die Wolken. „Selbst-bewusst“ ist das Wort, welches mir in den Sinn kommt.

 

Ich fange an zu singen. Und eine Liebe zu mir selbst umhüllt mich. Ich lasse sie in mich einfliessen.

Wundervoll. Da bin ich. Völlig bei mir. Mir selbst bewusst.

 

Das Boot lächelt mich an und ist jederzeit bereit für ein neues Abenteuer.  

„Später“, sage ich zu ihm. „Jetzt nicht.“

 

 

Der Sperber

Der Sperber

 

Ein Tag im November.

Morgens früh.

 

Noch etwas neblig.

Ruhig draussen.

 

Gerade einmal zwei Tage her:

Dieses Gefühl, vollkommen bei mir angekommen zu sein.

Diese Sicherheit: Es gibt nichts mehr zu tun. 

 

Ein wundervolles Gefühl.

Warm. Nach-Hause-kommen.

Bei mir sein. Wohlig.

Mein lang ersehnter Wunsch.

 

Etwas zog im Garten meinen Blick in seinen Bann.

Ein ganz besonderer Vogel: Ein Sperber.

 

Wirklich? Unsicherheit. Ein Sperber?

Ja. Er kam mit leisen Schwingen angeflogen.

 

Ein Blick. Aus diesen wundervollen gelben Augen.

Und als er bemerkte, dass ich ihn wahrnahm, da sprach er zu mir.

 

Gänsehaut. So schön. Überwältigend. Zittrig.

 

Er habe vom Mäusebussard erfahren, dass ich jetzt DA sei.

„Dasein“, sagte er, „bedeutet frei zu sein. Ein Leben im Neuen zu führen.“

Ich nickte, etwas berauscht und verwirrt.

 

Der Mäusebussard. Mein Freund.

Ich hatte schon den ganzen Sommer über das Gefühl, dass er mich begleitet.

Mit seinem Kreischen rief er mich. Als wolle er mir sagen:

„Ich sehe dich. Ich bin bei dir.“

Er flog direkt über mir. Immer und immer wieder.

Flog direkt vor meinen Augen lautlos durch den Wald.

 

Damals schon Gänsehautbegegnungen.

So wie heute. Aber heute ist es anders.

 

Der Sperber nimmt Kontakt zu mir auf. Wir sprechen miteinander. So eng. So intensiv.

 

„Ja“, sagte ich. „Ich bin angekommen. Ich fühle es. Ich bin jetzt der Mittelpunkt meiner Welt.

Und ich lerne jetzt Schritt für Schritt danach zu Leben. Ich finde heraus wer ich bin und was ich will.“

 

Und ich freue mich riesig.

Erneut breitet sich eine Wärme in mir aus.

Ein Träne verlässt meine verwunderten Augen.


Was passiert hier?

 

Vorgestern der Satz: „Ich bin fertig“.

Dabei war dieser Satz nicht neu. Habe ihn mir schon oft gesagt, in diesem Jahr.

Und dann fiel ich doch wieder ins nächste Loch.

 

Dann das Schreiben der Geschichte vom "Zauberbaum“. Sie kam zu mir, diese Geschichte.

Hat mich ausgesucht. Sie hat sich mir sogar irgendwie aufgedrängt.

Mich vom Sofa an den Computer geführt. Ich musste sie einfach schreiben.

Diese Geschichte der Raupe Juli. Und über ihre Verwandlung zum Schmetterling.

 

Und nun also der Sperber.

Dieser intensive Blick.

Ein wunderschönes Willkommenheissen.

Da ist reine Liebe.

 

Wir schauen uns noch einige Momente an.

Ich spüre eine tiefe Verbindung zu ihm.

 

Ich danke ihm, dass er sich mir gezeigt hat.

Und ich danke mir, dass ich ihn wahrgenommen habe.

Eine Bestätigung meiner neuen Freiheit.

 

Er nickt mir zu und fliegt mit einem Lächeln davon.

Und ich bleibe etwas unsicher zurück. Frei. Ich bin frei?

 

Ja, sagt eine Stimme in mir. Und ich lasse mir Zeit, mich kennen zu lernen.

 

NEUES
E
U
E

Neues

 

Neues. Für viele Menschen ein Abenteuer. Für andere Stress pur.

Angst vor dem Unbekannten. Angst vor Dunkelheit und Schatten.

 

Neues. Mal kurz erlauben. In kleinsten Schritten.

Ein neuer Weg, eine neue Umgebung.

Dann wieder Rückzug. Tür zu.

Nochmal. Wieder versuchen.

 

Neue Menschen. Angst, fast Panik.

Was wollen die?

Gedanken, es sind nur Gedanken.


Meine Seele nimmt mich an die Hand.

Versuchen. Noch mal. Versuchen.

Zutrauen wächst in mikroskopisch kleinen Teilchen.

 

Freude. Oh, da ist Freude. Schnell verstecken.

Freude kann weh tun. Menschen können verletzen.

Lieber nichts tun, statt verletzt zu werden.

Igel. Einigeln. Mal kurz die Nase raushalten. Ent-Igeln.

 

Da ist Musik. Oh, wie schön.

Da ist eine Stimme. Ist das meine?

Ja, ich habe eine Stimme. Noch ganz zart und unsicher.

Kommt der Ton von mir? Huch.

Extreme Anspannung. Mein Körper will noch nicht.

Rückzug.

 

Ein neues Lied. Es überwältigt mich. Seele. Ich bin Seele.

Ich sehe durch die Augen meiner Seele.

Ich höre mit den Ohren meiner Seele. So schön!

 

Dunkelheit setzt mir wieder Kopfhörer auf.

Eine dunkle Brille.

Rückzug. Erneut. Die Angst zulassen. Geht das?

Mal versuchen.

Oh, überlebt. Die Angst überlebt.


Mal keine Erwartungen haben. Neuer Versuch.

Gescheitert. Durch meine Gedanken.

Sind das alles meine? Wessen Gedanken sind da in meinem Kopf?

 

Singen. Nach Aussen gehen. Meine Stimme preisgeben.

Nur mit geschlossenen Augen. Damit ein Teil noch in mir bleibt.

Sicherheit im Innern.

Mal kurz ein Auge auf. Umsehen. Ah, keine Gefahr.

Mal mit offenen Augen singen.

Geht. Geht immer besser.

 

Akzeptanz. Akzeptanz, dass mich Neues stresst.

Trotzdem handeln. Immer und immer wieder.

Kraft sammeln und neu beginnen.

 

Neues. Der Gedanke ist schon nicht mehr so beängstigend.

Zukunft. Da ist jetzt eine Zukunft.

 

Mit jedem Neuen wächst meine Seele, wachse ich.

Sicherheit. Ich bin in Sicherheit.

 

Heraus-Fordern. Nicht Hinein-Sichern. Raus in die Welt.

Raus aus der Gedankenfalle. Mit Achtsamkeit.

 

Achtsam bei mir sein. Liebevoll. Die Aggressivität mir gegenüber weglegen.

Immer öfter. Immer länger.

Umwandeln in eine Umarmung für mich selber.

 

Mich in die Arme nehmen. Geschafft. Ich habe schon so viel geschafft.

Weiter geht´s. Die Welt erwartet mich mit offenen Armen.

Wagen, vertrauen, mutig sein. Jeden Tag ein bisschen mehr.


 

Wer bin ich?

Ich bin eng. 

Ich bin weit.

Ich bin bei mir.

Ich bin weit entfernt.

Ich bin Frau.

Ich bin Mann.

Ich bin alles.

Ich bin laut indem ich leise bin.

Ich schreie während meine Stimme schweigt.

Ich weine trockene Tränen und bin mir selbst in der Ferne nah.

 

 

 

 

 

 

Ich schalte einen Gang höher aber der Motor schweigt.

Ich verliere mich in der Leere.

Ich bin bunt im s/w Portait.

Bilder im Kopf, die eine Lautstärke haben, dass mein Herz weint.

Ich lache tonlos und singe nur für mich.

Ich war so schwach, dass meine Zukunft verschwand.

Das Herz verstossen vor lauter Schmerz.

Das Licht vor lauter Schatten nicht entdeckt.

Unsichtbare Ketten gelöst.

Aufgesetzte Gesichter unsichtbar gemacht.

Leben.

Lieben.

Leiden statt lieben. Vorbei.

Die Liebe befreit.

Die Angst in die Hände nehmen und ihr vergeben.

Das Samenkorn im Licht nun gedeiht.

Ein Engel, der mir hilft mich zu befreien.

Ein Engel. Immer für mich da.

Ein Engel, so selbstlos wie kein Mensch es sein kann.

Danke. Ein Wort das nicht genügt.

L E B E N! Leben. Leben.

©Copyright. Bilder, Texte und Fotos von Stefanie Bräunig